Bericht vor Ort. hn

29.10.07
Heute gegen 22:00 MEZ hat uns Heinz angerufen, wir möchten Ihn auf seinem Handy anrufen.­ Seit Samstag regn­et es in der Region. Heute sind Brücken weggerissen worden. In der gesamten Region sind mehrere Bezirke vom Schlamm und Wasser weggerissen worden. Das Wasser steht dort über einen Meter hoch mit einer ca. 50 cm hohen Schlammschicht.­ Es gibt keine Nahrungsmittel, Strom und Treibstoff . Die "Autobahn" von Maimón nach Bonao ist auf einer Strecke von ca. 500 Metern fast weg gerissen. Fällt diese Verbindung weg, sind die Gebiete nach Maimón abgeschnitten. Ob es Tote und Verletzte gibt ist noch nicht bekannt. Sobald wir etwas Neues wissen, berichten wir hier.

29.10.07 23:19
Wir haben Zugang zum TV Server von Bonao. Fürchterliche Bilder. Die Häuser stehen fast bis unters Dach voll Wasser. Die Menschen haben sich auf höher gelegene Strassen geflüchtet.
Es soll auch Tote gegeben haben.

29.10.07 04.00  

Mein Schwager Manuel schreit uns von draußen wach. Ich soll sofort ein Seil holen und mitkommen. Die Urgrossmutter (über 100 Jh) und die Mutter sind im Haus gefangen und drohen zu ertrinken. Wir haben die ganze Nacht gehört das es aus Kübeln giesst. Ich sagte ihm, daß wir uns sichern müssen, denn bei diesem Hochwasser (1.40m9 mit Schlamm könne ich wegen meinem Rücken kein Risiko eingehen. Also fuhr ich außen herum und musste den Pick-Up weit weg vom Geschehen parken. Wir trafen mehrere Leute und machten das Seil fertig. Manuel war sehr nervös und wollte alles schnell machen. Ich aber sagte ihm, daß wir uns sichern müssen, oder wir werden von der Schlammmasse weg gerissen. Dann ging er als erster Mann los und alle sicherten ihn. Ohne Licht nur mit zwei schlechten Taschenlampen ausgerüstet konnte er die reißende Masse durchqueren. Der Zweite und Dritte ging hinterher und die Drei konnten dann die beiden Frauen durch ein Fenster herausholen. Drinnen schwamm alles und die Urgrossmutter ist blind und ihr wurde vor ein paar Jahren ein Bein amputiert. Mit Gotteskraft schafften wir es bevor das Haus unterspült wurde und im Dunkeln weg geschwemmt wurde. So schafften wir uns alle in Sicherheit. Zum Glück hatte Manuel seine Frau und drei Kinder um 02.30 Uhr schon in einer sicheren Stelle untergebracht. Leider war zu dieser Zeit jeder mit sich beschäftigt. Die Umgebung kennt man nicht mehr. Früher war alles bepflanzt und heute nur noch Sand.

Rundherum standen einmal Holzhütten. Nichts steht da, alles von den Schlammmassen weggerissen. Dann wateten wir hüfttief im Wasser durch die ehemalige Strasse und gingen zuerst einmal zu mir nach Hause. Alle waren in Sicherheit aber Manuel will sofort zurück. Also fuhren wir gemeinsam so weit es ging und Manuel holte alle Wertsachen aus beiden Häusern. Anscheinend waren schon Diebe da denn der Gastank fehlte. Weiter hinten hörten wir Schüsse. Ja so ich das leider hier. Er verriegelte alles und wir gingen zurück. Dann wollte ich unbedingt wissen wie es anderen geht. Also rauf wo die Brücke die vor 3 Jahren schon einmal 2.65m unter Wasser stand. Da konnte keiner rüber. Reissender Fluss mit unglaublichen Stromschnellen. Eine gefährliche braune Brühe. Ich machte Fotos und auf der anderen Seite wohnt ja meine Freundin Santa. Also fuhren wir außen herum und es war einfach grausam.

 

In den letzten 50 Jahren gab es so etwas nicht. Was nicht gut untermauert war ist nun weg. Mit meinem Seil überquerten Frauen mit Kindern gesichert die Schlamm Massen. Keiner war trocken. Dann fuhr ich Richt. Spital und sah von oben das Desaster. Ich finde keine Worte. Lange geht es nicht dann verschwinden Häuser. Es regnet wieder stärker und ich gehe zu Santa. Fast 40cm steht das Wasser im Haus. Trotzdem bot sie mir ein Cafe an. Klitsch nass war die warme Tasse wie eine Bettflasche. Ich friere wie die andern auch. Um 10Uhr waren wir wieder zurück jedoch es zog mich am Nachmittag hinaus. Das Regen lies etwas nach und mit meiner Kamera fuhr ich zum Stadtausgang wo eine lange rechts Kurve schon einige Mal unterspült worden ist. So etwas habe ich noch nie pers. gesehen. Die Hälfte der Strasse ist mit samt ihrer 4 Meter Böschung über eine Länge von ca. 500 Meter weg.

 

Die Frauen organisierten sich in unserem Haus wo wir 11 Personen aufgenommen haben. Gut das wir noch ein kleiner Teil der Spenden zurück gehalten wurde. So konnten wir die Leute einkleiden und aus der Not zogen sich halt die Frauen meine Unterhosen an. Dann packten sie ihr Sachen aus und reinigten alles vom Schlamm. Dann musste sofort Benzin für die Notstromgruppe gekauft werden. Wir hatten gehört das es hier auch kein Brot gibt. Also fuhr ich nach Cotui und kaufte alles Brot zusammen.  ; Spät abends kam endlich für kurze Zeit die Internetverbindung zustande. Leider nur kurz, denn nun stieg auch der Notstrom aus. Wir hatten nicht bemerkt das min. 36 Std. vorher der Strom weg war. Na ja morgen regeln wir das. Gemeinsames Abendessen und den Schlafplatz organisieren. Zur Not kann ich noch 20 Leute aufnehmen. Ricardo rief an und fragte ob wir noch Wolldecken hätten. Leider brauchten wir diejenigen die noch da waren für die Leute. Er sei im Club Bonao und organisiere für fast 400 Menschen einen Schlafplatz. Es tat weh nein zu sagen, jedoch wir brauchen sie hier. Die ganze Nacht hat es geregnet.

 

Mein Schwager fuhr runter zu seinem „Haus“. Er will wie alle andern retten was noch zu retten ist. Nachher müssen wir Essen organisieren. Zum Glück habe ich über 40 M3 Trinkwasser das wir verschenken können. Eine traurige Angelegenheit die noch nicht ausgestanden ist.

Retten, was noch zu retten ist, bevor das Wasser kam. Heinz hat mittlerweile 5 Familien aufgenommen. Er zählt nicht mehr, wie viele Kinder dabei sind. Morgen verteilt Heinz mit Santa (Präsidentin von Amor y Paz) die ersten Esspakete von der unserer Soforthilfe.

2:16
Nicht morgen, sondern heute Abend haben Heinz und Santa 120 Säcke mit Lebensmitteln verteilt. Der Rest von 130 Säcken wird morgen verteilt. Der Regen wurde zu stark.

14:21
In den nächsten Tagen wird es wohl noch weiter regnen. Das Wetterradarbild zeigt, daß sich noch einiges an Wolken auf dem Weg in die DR befindet. Sind die Wolken nicht hoch genug, werden sie sich wohl vor dem Gebirge abregnen. Also weiterhin keine Aussicht auf Besserung der Situation. Ich frage mich, wann die ersten Seuchen ausbrechen, denn die Trinkwasserbrunnen sind zum größten Teil wohl mit Schlamm voll gelaufen und die tierischen Kadaver werden ihren Teil auch dazu beisteuern.
Wir brauchen in den betroffenen Gebieten Trinkwasseraufbereitungsanlagen.
Wenn dann das Wasser zurückgehen sollte, ist eine Dengue Infektion vorprogrammiert. Wann wird endlich die Internationale Hilfe in Angriff genommen? In den Medien wird nur von ca. 20 Toten und ebenso vielen Verletzten gesprochen. Ich denke mal, daß die Behörden noch keinen richtigen Überblick haben. Sehr viele dort lebende Menschen haben keinen "Personalausweis" und sind auch bei keiner Behörde gemeldet. Das sind im Moment meine Gedanken zur Situation in der DR.
 

5:46
Neuste Infos aus dem Außenministerium. Die Notfallgruppe steht in den Startlöchern. Die Dominikanische Regierung hat bis zu diesem Zeitpunkt definitiv noch nicht gesagt was an Hilfe oder Material gebraucht wird. Zur zeit findet eine Krisensitzung mit Vertretungen anderer Europäischen Länder in Santo Domingo statt. Hubschrauber aus Venezuela sind angefordert.


23:45
Heute hat Heinz 140 Essenssäcke und 12 Kleiderkarton in einen Bezirk ( etwa 400 Personen) von Bonao gebracht. Die Regierung hat auch Essenssäcke gebracht, aber nur 100 Stück und mit wesentlich weniger Inhalt. Für diese Fahrt nach Bonao für die er unter normalen Umständen 20 Minuten braucht hat er 2 Stunden benötigt. Heute waren Leute von der Gesundheitsbehörde bei ihm und meinten, bei ihm leben zu viele Personen. Es müssten einige Personen ausziehen in eine zentrale Sammelstelle. Da hat Heinz nur gelacht und ihnen gesagt, daß die Leute bei ihm bleiben, denn seine Versorgung für die Menschen ist besser als in einer zentralen Sammelstelle. Ich habe erst gedacht Heinz macht einen Witz.
HILFE DAS KANN DOCH WOHL NICHT WAHR SEIN.
Morgen gegen Abend kommen neue Fotos.


1.11.2007
Deutschland reagiert. Habe soeben mit dem Außenministerium gesprochen. Es ist ein offiziellen Hilfegesuch des Dominikanischen Außenministeriums eingegangen. Deutschland wird schnell reagieren wurde mir zugesichert. Was im Einzelnen geplant ist, wird noch abgeklärt. Erfahre nähere Informationen höchst wahrscheinlich heute Nachmittag.

 

2.11.2007 12:28 Meine Gedanken
Meine Gedanken und Erkenntnisse zur Situation. Wie wird die Situation im Land in drei bis 4 Wochen sein, wenn die Lebensmittelvorräte und Medikamente aufgebraucht sind. Da die Ernte zu 90 % vernichtet ist, werden wohl die Lebensmittelpreise um wenigstens 300% steigen. Was bedeutet das für die arme Bevölkerung? Hoffentlich friert die Regierung sofort die Lebensmittelpreise ein. Wäre eine Möglichkeit. Ob diese Maßnahme richtig wäre, kann ich nicht sagen. Wäre aber eine Überlegung wert.
Neuste Infos: Zwei Hilfsorganisationen haben zusammen einen Hilfsantrag in Höhe von 70-tausend Euro an die die deutsche Regierung gestellt. Es sind die Hilfsorganisationen Cotedo und Oxfam. Die Gelder sollen zweckgebunden für Sanitäre Anlagen u. Trinkwasser-aufbereitung sein. Wenn unsere Botschaft das Geld kontrolliert einsetzt, und ich weiß, das tut sie, dann ist das ein Anfang. Es ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein, aber dennoch ein Anfang. Wir wollen hoffen, daß noch mehr Tropfen kommen. Kein Regen von oben.


Wird mit dieser Minisumme von 70000 EURO wieder mal bewiesen, daß die Situation im Land immer noch unterschätzt wird? Wir werden ja leider auch nicht gefragt, wie die europäische Denkweise zur Situation ist, obwohl wir eine Vertretung mitten im Krisengebiet haben. Sind wir noch zu klein als Hilfsorganisation?
Ja, wir sind klein, aber objektiv und zu schnellem ehrenamtlichen Handeln bereit.
Tut mir leid, das musste ich mal loswerden.
Wir haben leider nicht das Geld um einen Container mit 10000 Decken und Trinkwasseraufbereitungsanlagen auf die Insel zu schicken. Beim Spenden Marathon von großen Fernsehsendern, wo Millionen Euro eingespielt werden, werden wir abgelehnt. Leider traurig, aber wahr. Ach so, noch was. In den nächsten Tagen wird ein Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes aus Südamerika in die Region kommen und die Situation begutachten. Will mich zu diesem Punkt nicht weiter äußern, ich frage mich nur, warum ist er noch nicht da gewesen?
DANKE Jürgen

3.11.07
Die angegebenen Opferzahlen der Regierung stimmen auf keinen Fall. Die Katastrophe wird verharmlost denn es ist Wahlkampf und eine Katastrophe kann die Regierung nicht gebrauchen. Bis jetzt bekannte Opferzahlen um Maimón: Villa Alta Gracia 70 Tote Piedra Blanca 40 Tote Viejo Caballero ist noch völlig überschwemmt und man kommt noch nirgends dran. Das sind nur vorläufige Zahlen, denn mit der Bergung der Toten kann noch nicht begonnen werden, da die Überlebenden noch genug Probleme haben. Die Toten werden nur gefunden, wenn Leichengeruch in der Luft liegt. Wir rechnen mit mehreren Hundert Toten. Es droht eine Rattenplage, da der Müll nicht abgefahren werden kann. Die Mülldeponie ist auch überschwemmt. Da das Wasser in den Senken nicht abläuft, droht eine Mückenplage. Es liegen noch überall Tierkadaver oder Tiere mit gebrochenen Gliedmaßen rum. Dringend gebraucht werden Pestizide gegen Mücken sowie Desinfektionsmittel.

 

Nun kommen sie, die Ratten. Sie kommen durch die kleinsten Ritzen und pinkeln die Lebensmittel voll. Das Schlimmste ist, man merkt es ja nicht sofort. Vor ca. 5 Wochen wurden erst drei Kinder von Ratten zu Vollwaisen gemacht. Die Familienangehörigen starben an einer Infektion (Virus Hanta), die von Ratten übertragen wird.

Gott sei Dank gibt es Waisenhäuser die diese Kinder auffangen.

In Maimón wurden zwei Erwachsene Tote aus dem Schlamm gegraben.
Es sind aber keine Bürger von Maimón. Sie wurden wohl mit den Fluten mitgerissen und dort angeschwemmt.

6.11.2007
Schäden in Maimón.

Im Bereich der Brücke über die Leonora in Maimón sind 7 Häuser weggeschwemmt worden. Im Bereich des Flusses noch einmal ca. 5 Häuser.
Eine ganze Molkerei mit Inventar und eine Hühnerfarm mit ca. 50 000 Tieren ist vom Erdboden verschwunden.
Allein in der näheren Umgebung von Maimón sind ca. 2000 Tiere wie Stiere, Kühe, Kälber, Ziegen und Schweine ertrunken.
So sieht die Wirklichkeit aus.
Hat die DC ganz falsche Zahlen auf ihrer Homepage?

http://www.defensacivil.gov.do/tmp.jpg

Laut Dominikanischem Gesetz muss die DC die Verantwortung nach 72 Stunden an das Rote Kreuz abgeben. Warum ist das noch nicht geschehen?

07.11.2007 10:13
Die Lage im Bereich Maimón/Bonao im Griff? Zur Zeit sind noch ca. 390 Personen obdachlos. Anscheinend hat die DC die Lage im Griff. Das Rote Kreuz kann dort nicht tätig werden, da es dort zu wenig Mitarbeiter hat. Die DC desinfiziert die Häuser wenn die Menschen wieder einziehen mit einer Art Gartenspritze. Andere Möglichkeiten haben sie nicht, da entsprechende Geräte wie Vernebler fehlen.
Das Wasser steht in verschiedenen Gebieten noch 1,5 Meter hoch und etliche Häuser sind noch überschwemmt.

08.11.2007

Wiederum keine Einheit unter den Organisationen. Jeder macht was er will. Die sind mit dem Teufel im Bunde, anders ist es wohl kaum zu erklären.

Die Fotos von Medio Abmbiente ( Umwelt) wurden teilweise unter unmöglichen Bedingungen gemacht.  Der Gestank von verseuchtem Waßer im Stausee Hatillo hält keiner aus. Ich mache um so etwas auch einen Bogen, jedoch es ist es uns wert das die Wahrheit nicht verschwiegen wird. Noch immer treiben hunderte Kadaver im Stausee Nun haben alle Angst das keine Hilfe mehr zu uns kommt. Anscheinend geht ja nun alles nach Mexiko.

Durch unsere Kontakte zwischen Heinz und Deutschland haben wir die Hoffnung das die dort lebenden Dominikaner auf ihr Herz hören.

Eines ist versprochen;

Wir arbeiten nur mit dem Spital zusammen und wenn Spenden an unsere Stiftung eingehen wird jede Ausgabe offen gelegt. Hilfsgüter gehen nur an die wirklichen Bedürftigen.

Daher bitten wir von Herzen um rasche Hilfe.

Gott beschütze euch

Fundación Mundo Nuevo